


«Bitte sei nett zu mir.
Bitte sei nett, denn ich bin nicht mehr ich selbst.
Bitte sei nett, denn ich versuche, all das zu bewältigen.
Bitte verlange nicht von mir, mich wie die Person zu verhalten, die wir beide kannten. Das alte Ich ist tot und ich werde als Mutter neu geboren.
Das alte Ich gibt es nicht mehr. Und das neue Ich weiss ich noch nicht, wer es ist.
Wie eine Kriegerin nach einer Schlacht bin ich hier, tausend Wunden und keine Rüstung.
Eines Tages, ich weiss nicht wann, werden diese Wunden Narben sein, der Schmerz wird Erinnerung sein,
und ich werde stärker sein als ich jemals war.
Aber bis dahin, bis die Heilung vollständig ist, werde ich schwächer sein als je zuvor.
Mehr als du mich jemals hast sein sehen. Mehr als ich mich jemals habe sein sehen.
Jetzt lass mir aber nur ein wenig Raum und Zeit, um schwach zu sein. Und sei nett zu mir. Danke.»
Das sind einige Zeilen, die ich als frischgebackene Mutter an die Welt geschrieben habe. Sie richten sich an meinen Partner, Verwandte, Freund:innen und Kolleg:innen mit folgender Bitte: Erwartet nicht, dass die frischgebackenen Mütter um euch herum dieselben Personen wie zuvor sind. Erwartet auch nicht, dass es ihnen gut geht. Sie kämpfen – um all das zu verarbeiten, was in ihrer Welt passiert, und um alles zu geben, was sie in einem Moment grosser körperlicher, mentaler und emotionaler Zerbrechlichkeit aufbringen können. Wahrscheinlich erleben sie Momente tiefster Freude – aber auch Momente von Angst oder sogar von Schmerz.