


Die Geburt eines Kindes ist für viele Frauen eine tiefgreifende Grenzerfahrung. Etwa ein Drittel erlebt sie als traumatisch – unabhängig vom objektiven Verlauf (Creedy et al., 2000).
Entscheidend ist das subjektive Empfinden: Auch eine medizinisch unkomplizierte Geburt kann von der Gebärenden als traumatisch empfunden werden. Viele Frauen verarbeiten diese Erfahrung im Laufe der Zeit gut. Bei anderen treten kurz nach der Geburt Symptome einer akuten Belastungsreaktion auf. Diese stellt eine natürliche, wenn auch unangenehme Reaktion auf ein extremes Ereignis dar und dauert in der Regel einige Tage bis maximal vier Wochen. Typisch sind dissoziative Symptome (z. B. emotionale Betäubtheit, das Gefühl, neben sich zu stehen), starke Gefühle wie Wut oder Trauer sowie ausgeprägte körperliche Reaktionen (z. B. Herzrasen, Schwitzen). Die akute Belastungsreaktion ist ein Versuch der Psyche, mit dem Erlebten umzugehen.
In manchen Fällen führt eine traumatische Geburtserfahrung zu einer Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – eine verzögerte psychische Reaktion auf ein Trauma, die innerhalb von sechs Monaten nach dem Ereignis einsetzen kann. Die Symptome müssen über mindestens vier Wochen bestehen und treten typischerweise in vier Bereichen auf: Wiedererleben (z. B. Flashbacks), Vermeidung, negative Veränderungen im Denken und in der Stimmung sowie Übererregung (z. B. Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit).
Eine PTBS ist für Betroffene sehr belastend, kann einem unbeschwerten Beziehungsaufbau zum Baby im Wege stehen und beeinträchtigt die Bewältigung des Alltags. Nicht selten vermeiden betroffene Frauen eine weitere Schwangerschaft oder erleben diese mit intensiver Angst und Stress.
*Stand: Frühling 2026
Vorstandsmitglied & Psychotherapeutin Praxis «Familie entsteht»